Manchmal ist es dann genug Selbsterkenntnis. Genug Hinterfragen: wer bin ich und wenn ja, wie viele? Genug Gefühle. Genug oder sogar schon zu viel. „Ich kann nicht mehr.“
Dann nimm dir eine Pause!
Aber wie soll das gehen? Nehmen wir an, die Gefühle und Gedanken purzeln nur so aus deinem Inneren heraus. Du fühlst dich dahin gezogen, dich immer wieder mit dem Thema zu beschäftigen. Beim Blumengießen, beim Autofahren, beim Einschlafen: ständig ist das Thema bei dir und lässt dich nicht in Ruhe.
Dann hat das einen Grund. Vielleicht ist es dieser: das Thema will verstanden werden. Und es merkt, dass es jetzt dazu eine Chance hat. Vielleicht ist es auch so, dass du das Thema früher oft verdrängt hast, nicht wahrhaben wolltest. Jetzt machst du das anders, und das Thema denkt sich „endlich!“ und sprudelt nur so aus dir raus.
(Es kann auch sein, dass das Thema gerade aktuell ist, z.B. weil die Jahreszeit dich daran erinnert oder ein ähnliches Thema in den Nachrichten ist. Dann heißt es: diese Zeit durchstehen. Dafür hat DIS-SOS eine gute Ressource.) (Edit: eine weitere gute Ressource findet ihr hier: Kontaktpunkte)
Wenn es aber „nur bei dir“ aktuell ist, wenn das Thema sich von innen immer stärker und intensiver meldet, du dich vielleicht auch schon damit befasst hast und jetzt merkst: wow, das wird mir alles zu viel…
Dann steht hinter diesem Druck ein Wunsch von Innen und eine Sorge. Der Wunsch ist so etwas wie: ich will gesehen und verstanden werden. Ich will da sein dürfen. Und die Sorge ist so etwas wie: was, wenn du mich wieder ignorierst?
Das Gute ist: du kannst eine Pause machen, ohne das alles abzulehnen, zu verleugnen und wegzuschmeißen, was du bereits erarbeitet hast. Vielleicht kennst du diesen Kreislauf bereits, dass du dich für eine kurze Zeit mit dem Thema beschäftigst und es dann wieder komplett hinschmeißen musst. Aber es gibt einen Mittelweg!
Wenn du eine Pause brauchst, versuch mal, das hier zu sagen (gerne einfach laut vorlesen, wenn du alleine bist):
Ich bin überfordert und ich brauche eine Pause. Das liegt an mir und nicht an dir.
Wenn ich nicht klarkomme, kann ich mich auch nicht sinnvoll mit dir beschäftigen. Ich nehme mir eine Pause, damit ich nachher entspannter und fähiger zu dir zurückkommen kann.
Ich verleugne dich nicht. Die Arbeitshypothese steht weiterhin. Ich lasse das alles so stehen, wie es ist. Aber ich ziehe mich gerade da raus.
Es kann helfen, sich eine Notiz in den Kalender zu schreiben, wann du dich das nächste Mal mit dem Thema beschäftigen wirst. Oder eine Mail an dein*e Therapeut*in zu schreiben, dass es bei der (über)nächsten Therapiesitzung wieder Thema sein soll. Oder ein Telefonat mit einer Freundin auszumachen (in einer Woche oder so), wo über das Thema geredet werden darf. Um ganz klar zu zeigen: das Thema wird wieder Raum finden. Nur jetzt gerade nicht.
Und dann ist es ein bisschen wie Meditation: immer wenn ein Gefühl oder ein Gedanke aufkommt, reagierst du mit „heute nicht, bald wieder“ und lenkst deine Aufmerksamkeit sanft auf etwas Anderes. Da hilft es, Dinge zu tun. Hast du ein Hobby, was Hände und Kopf beschäftigt? Kannst du dich mit Arbeit, Sport, Haushalt beschäftigen? Kannst du dich mit sozialen Kontakten umgeben?
(Den Satz kannst du natürlich deinen Bedürfnissen entsprechend anpassen.)

Das kann so aussehen:
Du bist dabei, die Pflanzen zu gießen, und hast gerade die Gießkanne in die Hand genommen. Ein Thema-Gedanke ploppt auf. Du sagst: „heute nicht, bald wieder. Gerade will ich die Pflanzen gießen.“ Du richtest deine Aufmerksamkeit darauf, wie das Wasser in die Erde sickert, was das für Geräusche macht, wie die Sonne sich in den Wassertropfen spiegelt, wie die Pflanzen riechen.
Vielleicht träumst du dich kurz in den nächsten Sommerurlaub oder auf einen entspannten Waldspaziergang. Ein Thema-Gefühl ploppt auf. Du öffnest die Augen, erdest dich wieder visuell, und sagst erneut „heute nicht, bald wieder. Mhm, die Tomaten sind reif. Damit will ich heute kochen.“ Du erntest die Tomaten und fokussierst deine Aufmerksamkeit darauf, wie sich das anfühlt. Die feinen Haare der Pflanzen, die sonnengewärmten Tomaten und der ganz leichte Puderstaub darauf, dieser Moment, wenn du die Tomate von der Pflanze löst…
So gehst du durch den Tag. Die Gedanken und Gefühle dürfen da sein, aber du gehst nicht auf sie ein. Du hast Dinge im Hier und Jetzt, die du tun willst!
Inklusive einfach mal entspannen…

Es ist okay, wenn du einfach mal nur leben willst und nicht immer grübeln. Unos dürfen auch einfach existieren, ohne ständig wie ein Pokémon zu sagen, wer sie gerade sind. („Pikachu! Nein, Flamara! Nein, doch Pikachu!“) Menschen, die keinen Scheiß aus ihrer Vergangenheit mit sich tragen, dürfen auch einfach mal das Leben genießen. Dann sollten wir das auch dürfen!
Dieses Bedürfnis ist absolut normal. Man muss auch mal einfach leben dürfen. Das tut auch dem Gesamt(nerven)system gut.
Später wird es wieder Zeit zum Nachdenken, Reinfühlen und Verstehen geben. Dann kannst du das Thema wieder da aufnehmen, wo du stehengeblieben bist. Aber jetzt gerade: leg es ruhig erst mal ab.
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